Wissen / Wirtschaftlichkeit und Umwelt
Einweg oder Mehrweg: Welches Versandkonzept passt?
Mehrweg setzt voraus, dass die Verpackung zurückkommt, geprüft und rechtzeitig für den nächsten Versand vorbereitet wird. Bei vielen einmaligen Empfängern oder aufwendigen Rückwegen kann Einweg einfacher sein. Für den Vergleich brauchen Sie neben dem thermischen Nachweis die Rücklaufquote, die Zeit bis zum nächsten Einsatz und den Aufwand für die Aufbereitung.
Für Ihre Praxis
Rechnen Sie nach, wie viele Einsätze bei Ihrer Rücklaufquote zu erwarten sind und wie viele Boxen Sie dafür benötigen.
Geöffneter isolierter Transportkoffer. Vor erneutem Einsatz werden die Komponenten nach dem vorgesehenen Verfahren geprüft und vorbereitet.
Schließen einer papierbasierten Thermoverpackung nach der Bestückung.
In diesem Leitfaden
- Wann Einweg den Ablauf vereinfacht
- Was vor dem Start eines Mehrwegablaufs geklärt sein muss
- Zurückgekommen ist noch nicht versandbereit
- Rechenbeispiel: Was die Rücklaufquote an den Einsätzen ändert
- Rechenbeispiel: Wie viele Boxen sind gleichzeitig gebunden?
- Wiederverwendung für jedes Bauteil festlegen
- Den Rücklauf zunächst mit eigenen Sendungen erproben
Wann Einweg den Ablauf vereinfacht
Wechselnde Empfänger, unregelmäßige Sendungen oder weite Rückwege können für Einweg sprechen. Der Empfänger muss keine Behälter sammeln und zurücksenden. Er benötigt aber verständliche Angaben zur Materialtrennung und Entsorgung.
Die Einwegnutzung sagt nichts über die thermische Eignung aus. Auch hochwertige Pharma-Produkte können in einer passenden vorqualifizierten Einwegverpackung versandt werden. Maßgeblich sind die nachgewiesenen Bedingungen des jeweiligen Aufbaus.
Was vor dem Start eines Mehrwegablaufs geklärt sein muss
- Wer sammelt die Verpackungen beim Empfänger und veranlasst den Rücktransport?
- Wo werden Rücksendungen angenommen, kontrolliert, gereinigt und getrocknet?
- Welche Teile dürfen erneut verwendet werden, und welche werden ausgetauscht?
- Wie wird erfasst, welche Systeme unterwegs, gesperrt oder einsatzbereit sind?
- Wie viele zusätzliche Einheiten werden während Rücklauf und Aufbereitung benötigt?
Diese Aufgaben verursachen Kosten. Die TCO-Berechnung mit Beispiel zeigt, wie sie in den Vergleich je Sendung eingehen.
Zurückgekommen ist noch nicht versandbereit
Führen Sie getrennte Bestände für einsatzbereite, unterwegs befindliche, zurückgekommene und gesperrte Systeme. Erst nach der vorgesehenen Kontrolle und Vorbereitung darf eine Rücksendung wieder als verfügbar zählen.
Erfassen Sie auch Verluste und ausgeschiedene Teile. Für die Umweltbewertung werden dieselben Nutzungsdaten benötigt, ergänzt um Material, Energie und Transportwege.
Rechenbeispiel: Was die Rücklaufquote an den Einsätzen ändert
Vereinfachtes Modell mit angenommenen Zahlen: Eine neue Box darf höchstens 20 Einsätze leisten. Nach jedem Einsatz beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass sie zurückkommt und erneut freigegeben wird, 90 %. Dann sind im Mittel 1 + 0,9 + 0,9² + … + 0,9¹⁹ ≈ 8,8 Einsätze zu erwarten. Bei 95 % wären es etwa 12,8.
Die Werte sind keine THERMOCON-Lebensdauern oder gemessenen Rücklaufquoten. Das Modell setzt eine bei jedem Umlauf gleiche, unabhängige Wahrscheinlichkeit für Rückkehr und erneute Freigabe voraus. Es zeigt, warum 20 technisch mögliche Einsätze nicht automatisch 20 tatsächlich genutzte Einsätze bedeuten.
Messen Sie Rückkehr und erneute Freigabe getrennt. So erkennen Sie, ob Systeme beim Empfänger verbleiben oder zwar zurückkommen, aber nicht mehr verwendet werden können.
Rechenbeispiel: Wie viele Boxen sind gleichzeitig gebunden?
Bei gleichmäßiger Versandmenge lässt sich der benötigte Umlaufbestand zunächst so abschätzen: Sendungen pro Tag × mittlere Zeit bis zur erneuten Versandbereitschaft. Bei angenommenen 100 Sendungen täglich und sieben Tagen sind das 700 Systeme. Reserve und Ausschuss kommen hinzu.
Zu den sieben Tagen zählen Hintransport, Liegezeit beim Empfänger, Rücktransport, Kontrolle, Aufbereitung und erneute Vorbereitung der Akkus. Nur die Fahrzeit der Retoure zu rechnen würde den benötigten Bestand unterschätzen. Versandspitzen und schwankende Rücklaufzeiten müssen zusätzlich berücksichtigt werden.
Bei gemischten Empfängern kann eine Kombination passen: Mehrweg für regelmäßig belieferte Adressen mit geordneter Rückgabe, Einweg für einzelne Sendungen ohne praktikablen Rückweg. Beide Verpackungen brauchen einen Nachweis für ihren jeweiligen Einsatz.
Wiederverwendung für jedes Bauteil festlegen
Außenbehälter, Dämmung und Kühlelemente können unterschiedliche Lebensdauern haben. Legen Sie fest, welche Teile geprüft, ersetzt oder entsorgt werden. Eine Einwegkomponente wird durch einen Mehrweg-Außenbehälter nicht automatisch wiederverwendbar.
Die WHO berücksichtigt die erneute Bewertung wiederverwendbarer Versandsysteme im Qualifizierungskonzept. Kontrollen müssen erkennen lassen, ob Alterung oder Beschädigung die geforderte Leistung beeinträchtigen.
Für regelmäßige Zustelltouren behandelt der Artikel zur letzten Meile auch Rücknahme, Entnahmen und wiederholtes Öffnen.
Den Rücklauf zunächst mit eigenen Sendungen erproben
Beginnen Sie bei unklaren Rücklaufbedingungen mit einem begrenzten betrieblichen Versuch. Messen Sie Liegezeit beim Empfänger, Rücktransport, Verluste, Kontroll- und Reinigungsaufwand sowie die Zahl erneut nutzbarer Systeme.
Nutzen Sie diese Daten für Kosten- und Umweltrechnung. Eine finanziell günstige Lösung hat nicht zwangsläufig die geringste Umweltwirkung; beispielsweise können Rücktransport und Energiebedarf die Ergebnisse unterschiedlich beeinflussen.
Quellen
- WHO: Qualification of shipping containers, Supplement 13 (2015). Abschnitte 2.1–2.5: Entwicklung, Qualifizierung und Wiederverwendung von Versandverpackungen.
Quellen geprüft am 12. September 2026.
Einweg- und Mehrwegsysteme vergleichen
Stellen Sie Empfängerzahl, Versandmenge, Rücklaufzeiten und Prüfmöglichkeiten zusammen. Vergleichen Sie damit passende Einweg- und Mehrwegsysteme.